„Keine Kultur ohne Agrikultur“: über die Vor(ur)teile der Landwirtschaft

 

Wie das Klima auf uns wirkt als Folge dessen, wie wir auf das Klima wirken; was wir immer noch mehr wollen, wobei wir doch viel weniger bräuchten; wie alles immer noch schneller und dabei unübersichtlicher wird

… hm …

 

… bei all dem Chaos kann einem schon mal schwindlig werden.

 

Alles auf Anfang – sag zum Abschied leise Servus!

In Mitten dieses geltenden Durcheinanders und rechtzeitig zum landesweiten Ferienbeginn lasse ich diese verrückte Welt (wieder einmal) hinter mir, werfe mir – wie jedes Jahr – meinen Rucksack über die Schultern und sag, im rhythmischen Takt der aufgehenden Sonne gen‘ Westen reitend, zum Abschied leise Servus“. 

Was mich antreibt? … die Sehnsucht nach Freiheit, Kultur & neuer Lebensqualität!

Kurz: Ein unendlicher Sommer auf der Alm.

 

„Ihr Schafe und Ziegen, Heidi, my darling: Ich komme!“

 

Die Ära der REAL-Reality beginnt

Und ich bin nicht allein: In unserer 24/7-Ära suchen immer mehr Österreicher nach authentischen & individuellen Urlaubserfahrungen und werden dabei gerade im Naheliegenden fündig.

Der Urlaub im Inland ist angesagter denn je, der Wochenend-Trip mit Familie und Freunden in die Berg- und Seengebiete des Landes ist Trend!

Erstmal raus aus der Virtual Reality unserer Fernseh- und Bildschirme, wird die Schönheit der Natur zur erweiterten „Real Reality“-4K-Erlebniswelt, die wir sinnlich – sinngemäß mit allen Sinnen – erleben wollen und Menschen aus dem In- und Ausland gleichermaßen magisch anzieht und zusammenbringt.

 

Das sich fremd gewordene will sich wieder kennenlernen

Daher funktionieren auch Konzepte wie Airbnboder Urlaub am Bauernhof“ . Nicht zuletzt deshalb, weil Sharing Economy und die Rückbesinnung auf Natur und Ursprünglichkeit unabhängig von unsicheren, globalen Dynamiken funktioniert. Das Naheliegende und Vertraute macht uns unabhängig und frei!

 

Verantwortungsvolle Vielfalt ist unsere Stärke

Das verantwortungsvolle Zusammenspiel von Mensch und Natur ist dabei seit jeher Teil unserer kulturellen Identität. Die Landwirtschaft und der Tourismus gehören in vielen Regionen Österreichs zusammen, wie der Heurige und Wien.

Fast jedes zehnte Bett des gesamten touristischen Bettenangebotes des Landes wird von den Bäuerinnen und Bauern für die Gäste aus dem In- und Ausland aufgeschüttelt. Und inmitten dieser Verantwortung steht der achtsame und respektvolle Umgang mit dem, was die Natur uns so großzügig schenkt: Boden, Wasser, Luft.

Das sieht auch das World Economic Forum 2017  so, und verlieh Österreich mit Platz 12 (von 140 Ländern) das Prädikat „attraktive Urlaubsdestination“.

Österreich lädt Gäste aus dem In- und Ausland ein, Freunde der „schönen Landschaft & intakten Natur“ sowie der „hervorragenden Service- & Gastqualität“ zu werden. Das alles zählt zu unseren wichtigsten Tourismusgütern. Darauf können wir stolz sein!

 

„Es ist kein Herr so hoch im Land, dass er nicht lebt von Bauernhand“

Der Landwirt sichert Landschaft in benachteiligten Gebieten. Denn dort, wo beispielsweise Almen oder Weiden nicht mehr bewirtschaftet werden, verlieren wir Stück für Stück Teile unserer kulturellen Identität. Almen und Wiesen verbuschen, verwalden oder versteppen. Und unser einzigartiges landschaftliches Kulturgut wäre sehr schnell ernsthaft in Gefahr.

Die Bäuerinnen und Bauern erhalten auf ihren Böden täglich die kulturelle und kulinarische Vielfalt unseres Landes und sichern dabei – quasi nebenbei – tausende Arbeitsplätze für Menschen in nachgelagerten Sparten. Sei es in der Gastronomie, im Handel oder Tourismus. „Es ist kein Herr so hoch im Land, dass er nicht lebt von Bauernhand.“

Die Jahrhunderte alte Weisheit ist aktueller denn je!

 

Keine Kultur ohne Agrikultur – was die Bäuerinnen & Bauern für uns leisten

Mit jedem landwirtschaftlichen Betrieb, der zusperrt, jedem verbauten oder versteppenden Hektar, geht ein ganzes Stück Diversität und Selbstversorgung flöten.

Würden wir nicht von unseren Bauern und ihren Produkten ernährt, müssten wir selbst für 28.000 € Bruttojahresgehalt den Spaten in die Hand nehmen, und es wäre ganz schnell vorbei mit unserer Spaß- und Konsumkultur. (Fast) niemand könnte sich mehr ein zeit- und kapitalaufwendiges Studieren oder Reisen, ganz zu schweigen von irgendeiner Art von Luxus leisten. 

Fakt ist, es gibt überhaupt gar keine Kultur ohne Agrikultur. Kein Theater, kein Konzert, keine Grundversorgung, keine Zeit für Freizeit, keinen Sport, kein Spaß, keinen Urlaub. Nichts.

 

Fakt ist: Alles Leben wurzelt in der Landwirtschaft!

 

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

wir bestimmen selbst, wie und was in Österreich angebaut und gepflegt wird. Mit jeder Kaufentscheidung, ob sie nun das nächste Frühstück oder den nächsten Urlaub betrifft …. jeden Tag wieder gestalten wir die kulturelle und kulinarische Zukunft unseres Landes aktiv mit.

Auf welchen Almen, glänzenden Seen oder Bauernhöfen des Landes verbringen Sie dieses Jahr Ihren REAL-Reality Sommer?

 

Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

 

Ihre

 

Julia A. Jungmair

 

Quellen:

·      BMLFUW – Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (2017): Grüner Bericht. https://gruenerbericht.at/cm4/jdownload/send/2-gr-bericht-terreich/1773-gb2017 (02.07.2018).

·      World Economic Forum (2017): The Travel & Tourism Competitiveness Report 2017 – Paving the way for a more sustainable and inclusive future. www3.weforum.org/docs/WEF_TTCR_2017_web_0401.pdf (02.07.2018).

·      Zukunftsinstitut (2017): Der Begriff Tourismus passt nicht mehr ins Lebenskonzept des 21. Jahrhunderts. https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/tourismus/der-begriff-tourismus-passt-nicht-mehr-ins-lebenskonzept-des-21-jahrhunderts/ (02.07.2018).

Kommentare (8)

  1. mfp am 06.07.2018
    Liebe Julia,
    Glückwunsch und Respekt für diesen intelligenten sinnvollen Beitrag. Es ist schön festzustellen, dass es Menschen gibt, die um die Bedeutung eines aufmerksamen rücksichtsvollen Umgangs mit der Menschheit größten Schatz - unserer Umwelt und Aktivitäten, die diese hegen und pflegen - Bescheid wissen und essentielle aufklärende Arbeit leisten.

    Für all jene, die noch nicht entsprechend über die wunderbare Kraft und Schönheit einer gesunden Umwelt/Natur Bescheid wissen....mein Tip....hoch die Tassen und rein/raus ins Vergnügen. Egal ob ...einfach in die Wiese legen...auf die Alm wandern...Berge ersteigen... in ein Bächlein, See, springen...den Geräuschen lauschen...die Gerüche erschnuppern...die Augen streifen lassen...einfach mit allen Sinnen die Wunder erfassen und staunen.
    Und danach dankbar sein...die Eindrücke weitererzählen...und achtsamen Umgang pflegen, aktiv und mit Hirnschmalz;)
    So einfach ist´s.

    Viel Vergnügen beim erfahren, erschnuppern, entdecken, staunen, geniessen,...
    1. Julia am 06.07.2018
      Lieber mfp,

      lieber würde ich Dich mit Deinem Namen ansprechen. Da ich das nicht kann, sag ich einfach:
      „Hoch die Tassen, Danke!“ :)
      Danke für Deinen Appell zum Erfahren, Erschnuppern, Entdecken, Staunen, Geniessen!
      Wer weiß, vielleicht sehen wir uns sogar zwischen Wiese, Alp und See?

      Liebe & sonnige Sommergrüße
      Julia
      0
  2. Gerhard am 05.08.2018
    Liebe Julia,
    danke für den Link zu Deinem Blog! Dein Neujahrsvorsatz hat mich gleich zum Nachdenken angeregt: „Mit meinem Ernährungsverhalten die Welt ein Stück weit zu verändern!“ Ja, schon. Aber das allein ist mir doch zu ernst fürs Essen. Ich will ja essen, ich will kein Ernährungsverhalten haben. Und ja, die Welt verändern, aber wir müssen uns ja nicht kasteien - die Welt verändern, das klingt gleich so. Und grad beim Schlierbacher - ohne Werbung machen zu wollen, es gibt ja viele gute Käse, aber der Schliebacher ist vielleicht der Beste aus Österreich - fällt es mir schwer, über den reinen Genuss hinaus auch noch an die Weltrettung zu denken!
    Was ich sagen will ist, dass die Weltrettung wahrscheinlich auch nur gemeinsam mit einem genussvollen Leben gelingen wird. Ich verstehe Dich so, dass Du das eh auch so siehst - und beim Wandern auf die Alm vorhast. Ja, genau. Aber das ist mir eben aufgefallen, gleich bei Deinem Eingangsstatement.
    Weltrettung nicht ohne Genuss - Genuss nicht ohne Weltrettung.
    Viel Spass beim Wandern und Alm-Käse essen!
    Gerhard
    1. Julia am 11.08.2018
      Lieber Gerhard,

      ja, ich seh das wie Du! Spaß und Genuss müssen unbedingt sein. Das ist ja u.a. auch das Schöne am Essen: Es verbindet, macht Freude & Spaß! Mit Verboten (Du sollst nicht …) und Selbstkasteiung (Ich soll nicht …) gibt’s keine Sympathiepunkte.
      Jetzt werden wir damit vielleicht die Welt nicht unbedingt retten (notwendig wäre es schon), sehr wohl aber ein Stück weit besser machen. Daher bin ich auch davon überzeugt, dass jede/r von uns, entsprechend seiner/ihrer Möglichkeiten einen Beitrag zur Weltrettung (ja, du hast schon recht: das klingt gleich so :) ) - leisten kann bzw. muss!
      Dann wird auch ein genussvolles, gutes Leben für alle „möglicher“.

      ganz liebe Grüße
      Julia
      0
  3. Gerhard am 05.08.2018
    ... ja, da schrieb ich gerade über die Verbindung von Welt retten und Genuss - und in Deinem Blog-Beitrag zum Sonntagmorgen am Frühstückstisch schreibst Du selbst darüber. Welt retten oder „Es wäre doch so bequem unmündig zu sein …!“ Käse weil er gut für die Welt ist, oder Käse weil er gut schmeckt - oder eben beides! Wieder am Beispiel des Schlierbachers:

    Für mich ist der Schlierbacher der Held, weil sich hier eigentlich ganz unmögliche Sachen zusammentun: eine traditionelle Kultur (wie ja auch das Bauerntum) und eine völlig neumoderne Idee, das Bio. Vielleicht sonst noch ein paar Facetten: Das kasteiische, bescheidene Klosterleben und der herrliche bzw. himmlische Genuss. Vielleicht passt das auch auf viele Bio-Konsumenten, die selbst oft so eine widersprüchliche Mischung aus Ernst (Welt retten, Gesundheit beachten, seinen Körper über das Essen kontrollieren....) und Genuss mitbringen (die handgemachten Spezialitäten, der Geschmack der Natur....). Also Schlierbacher weil er gut ist für die Welt, oder gut ist am Brot?

    Oder weil er gerade das schafft, beides zusammenzubringen?

    Gerhard
    1. Julia am 11.08.2018
      Lieber Gerhard,
      … vielen Dank für Deine Heldengschichte.
      „Weil sich hier eigentlich ganz unmögliche Sachen zusammentun“ – ich finde da sind viele sehr interessante Dinge enthalten, die du anspricht!

      Mir fällt dazu sofort Alice ein (du weißt schon, die aus dem Wunderland). Sie sagt: „Manchmal denke ich bereits vor dem Frühstück an Sechs unmögliche Dinge.“
      Zwei verschiedene Welten (Tradition & Moderne) zusammenbringen:
      Vor dem Frühstück unmöglich & danach plötzlich möglich, weil
      a) Menschen zusammengekommen sind (weil er gut ist für die Welt) und
      b) der Genuss Spaß gemacht (weil er gut ist am Brot)!

      Und damit ein Hoch auf die Helden des Alltages, die Ermöglicher, die das vermeintlich Unmögliche möglich machen!
      Julia
      0
    2. Julia am 19.08.2018
      Lieber Gerhard,

      wieder zurück von der Alm erstmal vielen herzlichen Dank für Deine Heldengeschichte!
      „Weil sich hier eigentlich ganz unmögliche Sachen zusammentun“ – da sind sehr viele, sehr entscheidende Dinge die du ansprichst.

      Zuerst aber mal ein Hoch auf die Helden des Alltages, die du erwähnst; die Ermöglicher, die das vermeintlich Unmögliche ermöglichen!
      Zwei verschiedene Welten zusammenbringen … mir fällt dazu Alice ein (du weißt schon, die aus dem Wunderland) ... sie sagt: „Manchmal denke ich bereits vor dem Frühstück an Sechs unmögliche Dinge.“

      (1) Tradition & Moderne (2) kasteiender Genuss (3) kontrollierte Herrlichkeit (4) ernstes Konsumvergnügen
      Was könnten Nummer (5) & (6) sein?
      0
  4. Gerhard am 21.08.2018
    Liebe Julia, danke für Deine Antworten mit den sehr treffend beschriebenen Unmöglichkeiten! Die doch möglich sind. Die sind sehr erschöpfend benannt, ich glaube ich muss passen.

    Ausser vielleicht etwas zum Wesen des Käse, um Pumuckl aufzugreifen, der sagt "Käse ist ja faule Milch" - und das kann trotzdem gut schmecken (wenn auch dem Pumuckl nicht).

    Und heute beim Frühstück (ja, wir hatten tatsächlich einen Schlierbacher Schlosskäse am Tisch, den roten): So viel nach dem Ablaufdatum, und der Geschmack phantastisch! Und sage nicht ich, sondern unsere jüngere Tochter.

    Mit so vielen ganz normalen Unmöglichkeiten vor Augen, denke ich mir, ob nicht das Leben an sich etwas total Absurdes ist. Und das Geheimnis von Glück immer ein solches Paradox in sich trägt. Das große Glück im Kleinen finden. Die Notwendigkeit, Kontrolle loszulassen. Vielleicht auch, vom Käse ins Philosophieren zu kommen?

    Genug für heute,

    Gerhard

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