"Host du g'wusst, dass ...?"

So beginnt seit einigen Wochen das neue Lieblingsspiel meines 5-jährigen Neffen Paul. Dieses Spiel ist einfach großartig! Da kommen dann Sachen wie „Host du g‘wusst, dass mei Papa dei Bruder is‘?“ Selbstverständlich sehe ich es als meine Tanten-Verantwortung, vieles nicht gewusst zu haben – zumindest nicht sofort. Ist Paul dann mal nicht da, spiele ich dieses Spiel auch gerne mit Freunden oder Kollegen. Unter anderem auch, weil ich eine große Anhängerin von spielerischem Lernen bin. Passen Sie auf, ich gebe Ihnen ein Beispiel:

 

„Hom Sie g’wusst, dass …?

Österreich gern als „Bio-Weltmeister“ bezeichnet wird?“

„Sie sind sich nicht sicher?“

„Gut!“

 

21.820 Bio-Betriebe – also fast jeder 5. Landwirt in Österreich – bewirtschaften bereits jeden 5. Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche in Bio-Qualität. Dieser unübertroffene Spitzenwert macht uns einzigartig in Europa & darauf können wir stolz sein!

Und wussten Sie, dass jeder Haushalt durchschnittlich 145 € im Monat für Lebensmittel ausgibt (ausgenommen Brot & Backwaren und Fertiggerichte)? Über 8,6% davon entfallen auf Bio-Produkte – ein Wert der in den letzten 5 Jahren um 50% gestiegen ist. Wir Österreicher stehen also total auf Bio! Käse schneidet dabei überdurchschnittlich gut ab. Eier, Milch und Erdäpfel sind unsere unangefochtenen Top 3 Bio-Produkte. Biologische Qualität ist uns Österreichern heilig!

 

Wir suchen Sinn & Orientierung

Die Ernährung nimmt eine immer zentralere Stellung im Leben von immer mehr Menschen ein. Im Essen als Ausdruck von Individualität und verschiedener Lebensstile suchen wir vor allem Sinn und Orientierung. Orientierung, die wir in einer Reihe an Labels wie „Bio“, „regional“ bzw. mehr oder weniger nachhaltigen Ernährungsstilen wie Vegetarisch oder Vegan finden. Die versprochene Transparenz der Labels soll uns die Wahl jener Produkte erleichtern, die am besten zu unserem Lebensstil passen.

 

Wieviel Bio steckt in den Bio Produkten?

Soweit, so gut. Doch möglicherweise hat sich der eine oder die andere von Ihnen bereits des Öfteren über die dahinterliegende Bedeutung der gezeigten Bio-Logos und -Siegel auf den Produktvorder-  und -rückseiten gewundert? Ich wundere mich jedenfalls regelmäßig! Daher habe ich mich mit Paul auf eine abenteuerliche Suche durch den Siegel-Dschungel begeben:  

 

Das EU-Bio-Siegel …

ist das wohl wichtigste Bio-Siegel. Es verweist auf die allgemeinen, europaweit einheitlichen Bio-Produktionsstandards & steht damit für die kompromisslose Einhaltung der EU Bio Verordnung 834/2007. Wir können vertrauen, dass die Rohstoffe zu mindestens 95% aus biologischer Landwirtschaft stammen. Je nach ihrer geografischen Herkunft findet sich die Ergänzung „EU“, „Nicht EU“ oder das jeweilige Länderkürzel (im Fall Österreich „AT“) am Produkt. Das wird auch geprüft; und zwar einmal jährlich von einer unabhängigen, staatlich anerkannten Kontrollstelle.

 

Das AMA Biosiegel …

geht über die Anforderungen der EU Bio Verordnung hinaus. Das schwarz-weiße Siegel kennzeichnet nicht-österreichische Bio-Produkte. Das rot-weiß-rote Siegel garantiert Bio-Rohstoffe aus und Bio-Produktion in Österreich. Nicht in Österreich verfügbare Rohstoffe (z. B. exotische Gewürze oder Früchte) bilden die Ausnahme und dürfen verwendet werden – der erlaubte Anteil am Gesamtprodukt liegt bei maximal einem Drittel (ausgeschlossen Primärprodukte wie Fleisch, Milch, Eier oder Gemüse).

 

Das Verbandszeichen „Bio Austria“ …

regelt ebenfalls bestimmte Punkte strenger als die EU Bio Verordnung & findest sich meist auf Bio-Produkten aus bäuerlicher Direktvermarktung. So muss der gesamte Betrieb biologisch bewirtschaftet werden. Strengere Richtlinien im Pflanzenbau werden bspw. in Obergrenzen bei der Düngung und dem Verbot bestimmter Düngemittel sichtbar. In der Tierhaltung müssen (soweit verfügbar) österreichische Bio-Futtermittel verwendet werden. Ebenso gilt das strengere Gentechnik-Verbot mit einer Obergrenze von 0,1% am Gesamtprodukt. Obwohl der Name es vermuten lässt, garantiert das Siegel nicht, dass das Produkt aus Österreich stammt. 

 

Klar ist auch: Die hohe Qualität österreichischer Lebensmittel zählt zur Weltspitze! Paul meint, das kann nicht oft genug betont werden!

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nach dieser Spielrunde wissen wir jetzt einiges mehr über Bio. Was Paul und ich noch nicht wissen, ist Ihre Meinung! Haben Sie Lust eine Runde mit uns mitzuspielen – wir würden uns freuen!

 

Ihre

 

Julia A. Jungmair

 

 

Quellen:

·      Agrar Markt Austria – AMA (2018): RollAMA 2017: Österreicher kaufen wieder mehr ein. https://amainfo.at/presse/pressemitteilungen/detail/news/rollama-2017-oesterreicher-kaufen-wieder-mehr-ein/ (04.05.2018)

·      BMLFUW – Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (2017): Grüner Bericht. https://gruenerbericht.at/cm4/jdownload/send/2-gr-bericht-terreich/1773-gb2017 (04.05.2018)

·      KONSUMENT – das österreichische Testmagazin (2013): Lebensmittel-Gütezeichen. https://www.konsument.at/guetezeichen (04.05.2018)

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